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Annegret Bleisteiner

Puppen, Trichter, Kunststoffbänder – in ihren Installationen verdichtet Annegret Bleisteiner eine Fülle von uns bekannten Gegenständen und Materialien zu farbfrohen Raumexplosionen. Dafür greift die Münchner Künstlerin auf die schier unerschöpfliche Palette unserer Alltags- und Konsumkultur zurück. Zweifelsohne sind wir den hier verbauten Elementen bereits begegnet oder haben einiges davon schon einmal besessen.

In einem mehrstündigen Arbeitsprozess arrangiert, klebt und installiert Bleisteiner Artefakte unserer Zeit zu raumstrukturierenden Gebilden. Eine charakterlose Ikea-Leuchte kommt dabei genauso zum Einsatz wie das verstörende Video „Spy on me“. Darin thematisiert die Künstlerin mit einer brutalen Beiläufigkeit die öffentliche Diffamierung der menschlichen Würde. Keine inszenierten Bilder, sondern Netzfundstücke. Daneben plötzlich ein Plüschbär aus Kindertagen. Wie passt das zusammen?

Bleisteiners Rauminterventionen erinnern an die Wunderkammern des 16. und 17. Jahrhunderts. Nur das uns hier Schaufensterpuppen, Kunstpostkarten, Plüsch und Gimmicks gezeigt werden. Aber sind die Arbeiten nicht zu laut, zu bunt, zu unkonkret? Ganz bewusst lotet hier die Künstlerin die Grenzen des (Er-)Fassbaren aus und erschafft lebendige, teils mahnende, in jedem Fall aber zu erkundende Orte. Sie lassen sich an verschiedenen Stellen des Hauses finden. Haben Sie alle entdeckt?

Marie-Luise Heske

MKK

Ist die Arbeit an so ungewöhnlichen Museumsorten ein Hindernis oder eine willkommene Herausforderung?

AB

Es ist eher so, dass mich ungewohnte Räume zu neuen Lösungen inspirieren. Am Anfang war ich schon ziemlich überrascht über die Anfrage, aber ich befinde mich ja in guter Gesellschaft seit dem Readymade von Marcel Duchamp.
Manchmal können ungewohnte Räume ein Kunstwerk so richtig kontrapunktieren. Der Ausgangspunkt für die Installationen ist die Situation, auf die reagiert wird und an der sich die Wahl der Mittel entscheidet. In den Toiletten des Museums für konkrete Kunst arbeite ich mit der Enge des Raums und mit der äußerst privaten Situation an den speziellen Orten. Im Film „wind song for a bird“ sind meine farbigen Bänder im Wind auch als Vanitas Symbol zu sehen. Diese farbigen Plastikbänder durchziehen meine gesamte Installation und verbinden die Räumlichkeiten.

 

MKK

Wie hat sich das Denken über Deine eigene Arbeit mit der Installation an diesem Nicht-Ort des Museums verändert? Hast Du neue Aspekte an Deinem Schaffen finden können?

AB

Ich empfinde eine Toilette gar nicht so sehr als Nicht-Ort, sondern als spannende Bereicherung in meinem Oeuvre.

 

Die Künstlerin installiert ihre bunten Plastikbänder im Aufzug, Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt, 2020

 

 

»Ein Kabinett habe ich „Alice in Wonderland“ genannt. Dort werden viele Gegenstände und Spielsachen aus meiner Kindheit gezeigt, also Puppengeschirr, Autos aus Plastik, kleine Töpfe und Teller,… Unsere Kindheit in der wir uns alles vorstellen konnten ist immer Ausgangspunkt meiner Arbeiten.«

 

 

MKK

Wie beeinflussen Dich die Räume, in denen Du ausstellst?

AB

Wenn ich Räume sehen, wird mir oft sofort klar, wie ich die Perspektiven für meine Arbeiten nutzen kann. Dabei arbeite ich oft in großen und offenen Räumen. Meine Installationen können dann auch schon mal über zwei Stockwerke gehen.
So kleine beengte Räume wie eine Abstellkammer mag ich aber auch sehr. Die Plastikgegenstände die ich sammle sind oft wie für diese kleinen Räume gemacht und wirken dann wie bei „Alice im Wunderland“, als ob sie kleine Geheimnisse bergen. Sie könnten Gefährten in eine andere Zeit sein und kreieren eine mini Wunderkammer.

 

 

Biografie

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*1968, Passau
lebt und arbeitet in München (DE)
1987 – 1992 Akademie der
Bildenden Künste Nürnberg
1992 – 1999 Kunstakademie Düsseldorf

www.annegretbleisteiner.de
Instagram @annegret_bleisteiner

Künstler

Impressum



Museum für Konkrete Kunst
Tränktorstraße 6–8
85049 Ingolstadt
Telefon +49 (0)841/305 1875
E-Mail


Redaktion und Edition
Museum für Konkrete Kunst
Stiftung für Konkrete Kunst
und Design

Direktorin
Dr. Simone Schimpf

Kuratorin
Alexandra Liebherr

Grafische Gestaltung und Umsetzung
Mark Julien Hahn

Texte
Marie-Luise Heske
Alexandra Liebherr
Dr. Simone Schimpf
Willi Trenner
Ann-Kathrin Ziganki

Video
bild-schön medienproduktion
Axel Mölkner-Kappl

Ausstellungsansichten
Hubert P. Klotzeck

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr

Eintritt
5 Euro, 3 Euro (ermäßigt)
3 Euro Gruppentarif (ab 10 Personen)

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