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Erika Hock

Der „Salon Tactile“ geht über eine bloße Betrachtungssituation weit hinaus. Bei diesem Kunstwerk gilt es nicht, Abstand zu halten. Erika Hock lädt stattdessen dazu ein, die architektonischen Materialien, Farben und ihre Veränderungen im Kontakt mit dem Körper zu erfahren. Dafür installierte die Künstlerin Fäden, die senkrecht zu Boden fallen und bei jeder Berührung zwischen den Fingern gleiten oder entlang des Körpers streichen. Diese wurden in einem mehrstufigen Verfahren koloriert. Während sich der Vorhang durchschreiten lässt, liegt dahinter ein Raum mit rundem Tisch und Hockern zum Verweilen und Begegnen.

Erika Hock entwickelte diesen taktilen Laborraum in der Auseinandersetzung mit dem „Café Samt und Seide“, einem Messestand des Vereins der deutschen Seidenwebereien, den Ludwig Mies van der Rohe und Lilly Reich zusammen im Jahre 1927 konzipierten. Wie in Hocks Installation wurde mit weichen und transparenten Stoffen ein eleganter Raum geschaffen.

Willi Trenner

MKK

Welche Rolle spielt für Dich das legendäre Café Samt und Seide (Lilly Reich und Mies van der Rohe, Berlin, 1927)?

EH

Der Teil von Lilly Reich vom Café Samt und Seide war im Grunde ideengebend für die Installation Salon Tactile, die ich ursprünglich für das Museum Marta in Herford konzipiert habe. Da man nur schwarz-weiß Bilder der Arbeit aus dem Jahr 1927 kennt, bin ich spekulativ vorgegangen und habe meinen Salon Tactile regelrecht mit Farbe geflutet. Zudem habe ich, statt einen gewebten Stoff eben Fadenvorhänge benutzt, was bedeutet, dass der Stoff nicht nur transparent, sondern auch permeabel ist; sprich, der Besucher kann an jeder Stelle die Fadenwand passieren.

Erika Hock, Salon Tactile II, 2020

MKK

Mit deiner Installation schaffst Du einen atmosphärischen, privaten Raum in der offenen Museumsarchitektur. Welche Rolle spielt die bestehende Architektur in Deiner Arbeit?

EH

Die Privatheit der Installation ‚Salon Tactile‘ ist trügerisch, denn der Besucher ist lediglich durch farbige Fäden vom Rest des Museums getrennt. Diese Fäden schaffen aber in ihrer Anordnung und Farbigkeit tatsächlich etwas besonders Atmosphärisches. Man fühlt sich in Farbe eingehüllt und durch die seichte Bewegung der Fäden, die vom Luftzug oder der Bewegung der Besucher ausgelöst wird, hat das Ganze eine anziehende Wirkung. Spannend ist, dass die erste Reaktion fast aller Besucher haptisch ist. Man will es anfassen. Das finde ich auch für die bestehende Architektur ein wichtiges Kriterium: gute Architektur traut sich mit unterschiedlichen und ungewöhnlichen Materialien umzugehen.

 

 

»Für die Ausstellung „Mind the Gap!“ habe ich eine neue, etwas kleinere Version der Installation „Salon Tactile“ geplant.
Die Fäden sind mit neuen Farben und Farbverläufen bedruckt worden – ich bin sehr happy.«

 

Erika Hock befestigt ihre Fadenvorhänge mit sanftem Farbverlauf

MKK

Was ist die besondere Herausforderung bei einer Arbeit für das Museum für Konkrete Kunst?

EH

Es sind keine üblichen Museumsräume. Die Decken sind sehr niedrig und die Räume sind das, was man klassischerweise erstmal als schwierig bezeichnen würde. Ich kann nicht in die Höhe arbeiten, aber die Transparenz, die die offenen Stockwerke mit sich bringen, finde ich spannend und habe auch deshalb meine Arbeit auf beide Stockwerke ausgedehnt.

Der Salon Tactile, ein Raum zum Verweilen.

Biografie

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*1981, Dschangi-Dscher (KG)
lebt und arbeitet in Köln (DE)
2001 – 2003 Kunstakademie Münster
2004 – 2009 Kunstakademie Düsseldorf
2012 – 2013 Hoger Instituut voor Schone Kunste, Gent

www.erikahock.de
Instagram @erika.hock

Künstler

Impressum



Museum für Konkrete Kunst
Tränktorstraße 6–8
85049 Ingolstadt
Telefon +49 (0)841/305 1875
E-Mail


Redaktion und Edition
Museum für Konkrete Kunst
Stiftung für Konkrete Kunst
und Design

Direktorin
Dr. Simone Schimpf

Kuratorin
Alexandra Liebherr

Grafische Gestaltung und Umsetzung
Mark Julien Hahn

Texte
Marie-Luise Heske
Alexandra Liebherr
Dr. Simone Schimpf
Willi Trenner
Ann-Kathrin Ziganki

Video
bild-schön medienproduktion
Axel Mölkner-Kappl

Ausstellungsansichten
Hubert P. Klotzeck

Copyright VG Bild-Kunst, Bonn 2020, für die abgebildeten Werke von Annegret Bleisteiner, Katharina Hinsberg, Markus Krug, Jacob Dahlgren, Marleen Sleeuwits, Vanessa Henn, Karim Noureldin

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr

Eintritt
5 Euro, 3 Euro (ermäßigt)
3 Euro Gruppentarif (ab 10 Personen)

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