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Esther Stocker

Beim Betreten des Kunstraums von Esther Stocker ist eines sofort klar: Dieser Raum funktioniert nicht wie andere Räume. Die Wände sind allesamt weiß, die Decke ebenfalls und auch der Boden ist weiß gestrichen. Ein Kontrast, der Orientierung bieten könnte, fehlt gänzlich und das Gefühl, der Raum könne sich vielleicht sogar ausdehnen, macht sich breit. Den alleinigen Anhaltspunkt bieten die schwarz lackierten Holzstücke, die wie Fragmente der Raumkonstruktion wirken. Sich durch diesen farblosen, sehr grafischen Raum zu bewegen, bedeutet im gleichen Zug, andere Perspektiven einzunehmen. Belohnt wird dieses Vorgehen, wenn sich die Einzelteile durch den neuen Blickwinkel kurz zu einer Einheit fügen. Die Fragmente setzen sich optisch immer wieder neu zusammen, wobei die Vorstellungskraft zum verbindenden Element wird. Darauf spielt auch der poetisch klingende Titel „...weil die Zukunft der Imagination keinen Widerstand leisten kann“ an, mit dem Stocker die Soziologin Elena Esposito zitiert.

Aus welchen Teilen wir unsere Zukunft bilden möchten, ist eine Sache der eigenen Perspektive. Sind wir bereit, diese zu wechseln, eröffnen sich neue ungeahnte Möglichkeiten. Konstruktionen und Systeme, die unsere Zukunft bedingen, können dadurch anders gedacht und gestaltet werden. Das gilt nicht nur für den Museumsraum, sondern auch für gesellschaftliche Räume und die Themen, die diese betreffen.

Ann-Kathrin Ziganki

MKK

Die Besucher*innen können sich frei in Deiner Installation bewegen. Welche Rolle spielen Bewegung und Betrachterstandpunkt in Deiner Kunst?

ES

Der Betrachterstandpunkt ist das existenzielle Moment, ein Moment der Freiheit aber auch einer gewissen Einsamkeit.
Die Bewegung ähnelt unserem Denken und der Unendlichkeit.

 

 

MKK

Ist der Titel Deiner Arbeit ein Hinweis auf einen Raum der Vorstellungskraft oder eine konkrete Vorstellung der Zukunft? Oder ist der Titel auch schon ein (irreführendes) Labyrinth?

ES

Der Titel “….perché il futuro non può offrire resistenza all’immaginazione”, ein Zitat von Elena Esposito: Das ist ein Verweis an die Vorstellungskraft, also dass sie immer in die Zukunft schaut und diese sich dem nicht widersetzen kann.

 

 

»Meine Arbeit ist ein geometrisches System, das wie eine begehbare Zeichnung im Raum sein soll.«

 

Esther Stocker komponiert und arrangiert ihre schwarzen Holzfragmente, Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt, 2020

 

MKK

Wie beeinflussen Dich die Räume, in denen Du ausstellst?

ES

Ich versuche sie manchmal zu ignorieren. Mir kommt es so vor, als dass die Kategorie Raum oft stark überbewertet wird.

Wichtiger sind doch beispielsweise Imagination, Fantasie und Vorstellungskraft.

Die Räume selbst betrachte ich oft als aufgeklappte Bilder.

MKK

Was sind für Dich signifikante Merkmale eines Museums?

ES

Das Museum kann den Wert einer Sache zeigen der sonst nicht sichtbar wird.

Für mich ist ein ideales Museum ein Ort wo ich die schrägsten Gedankenexperimente bestaunen kann. Und auch Zeit und Raum überwinde.

Biografie

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*1974, Silandro (IT)
lebt und arbeitet in Wien (AT)
1994 – 1997 Akademie der Bildenden Künste, Wien
1996 Accademia di Belle Arti di Brera, Mailand
1999 – 2000 Art Center College of Design, Pasadena (Kalifornien)

www.estherstocker.net
Instagram @esther_stocker_studio

Künstler

Impressum



Museum für Konkrete Kunst
Tränktorstraße 6–8
85049 Ingolstadt
Telefon +49 (0)841/305 1875
E-Mail


Redaktion und Edition
Museum für Konkrete Kunst
Stiftung für Konkrete Kunst
und Design

Direktorin
Dr. Simone Schimpf

Kuratorin
Alexandra Liebherr

Grafische Gestaltung und Umsetzung
Mark Julien Hahn

Texte
Marie-Luise Heske
Alexandra Liebherr
Dr. Simone Schimpf
Willi Trenner
Ann-Kathrin Ziganki

Video
bild-schön medienproduktion
Axel Mölkner-Kappl

Ausstellungsansichten
Hubert P. Klotzeck

Copyright VG Bild-Kunst, Bonn 2020, für die abgebildeten Werke von Annegret Bleisteiner, Katharina Hinsberg, Markus Krug, Jacob Dahlgren, Marleen Sleeuwits, Vanessa Henn, Karim Noureldin

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr

Eintritt
5 Euro, 3 Euro (ermäßigt)
3 Euro Gruppentarif (ab 10 Personen)

Wir bedanken uns
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