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Katharina Hinsberg

Das Erdgeschoss sieht ganz anders aus. Die Fenster sind verkleidet und eine geschlossene Farbfläche bedeckt alle Wände. Auf den ersten flüchtigen Blick könnte man meinen, dass es sich um eine Art Tapete handelt. Tatsächlich sind es Reihen von Schichtungen bestehend aus jeweils 12 kleinformatigen Seidenpapieren, die mit zwei Nägeln akkurat nebeneinander angebracht sind.

Das Werk von Katharina Hinsberg verändert im Laufe der Ausstellung mehrmals sein Aussehen. Mal entfernt die Künstlerin nach einem Schema einzelne Schichten und schafft dadurch Muster. Mal sind wir eingeladen, bei öffentlichen Führungen selbst spontan einzugreifen. Doch auch nicht planbare Einflüsse verändern die farbliche Wirkung: Die zarten Seidenpapiere reagieren äußerst sensibel auf Licht, Luft und Feuchtigkeit. Am Ende werden alle Blätter abgezupft worden sein. Zur Finissage wird die letzte Schicht als bunter Blätterteppich am Boden liegen.

Katharina Hinsberg beschäftigt sich seit langem mit den einzelnen Komponenten von Zeichnungen: Linie, Farben, Flächen, Papier. In dieser Arbeit geht es ihr um Farbe im Raum, ohne einen Pinsel anzurühren. Die Farben werden durch das Seidenpapier in aufwendiger Handarbeit und nach monatelanger Vorbereitung – der Zuschnitt der Blätter! – am Ausstellungsort angebracht. Die Arbeit ist bis ins Detail geplant und überlässt doch viel dem Zufall. Sie verändert die Wahrnehmung des Raums und von Farben.

Dr. Simone Schimpf

Das Werk von Katharina Hinsberg verändert im Laufe der Ausstellung mehrmals sein Aussehen. Mal entfernt die Künstlerin nach einem Schema einzelne Schichten und schafft dadurch Muster. Mal sind wir eingeladen, bei öffentlichen Führungen selbst spontan einzugreifen. Doch auch nicht planbare Einflüsse verändern die farbliche Wirkung: Die zarten Seidenpapiere reagieren äußerst sensibel auf Licht, Luft und Feuchtigkeit.

MKK

Wie wichtig ist der jeweilige Raum für die Arbeit „Feldern(Farben)“? Wie wichtig ist die Interaktion?

KH

Der Raum ist für meine Arbeiten immer wichtig, oft ergeben sie sich erst aus spezifischen Raumsituationen. Um eine Wahrnehmung dieser Arbeit ‚Feldern (Farben)‘ als Raum entstehen zu lassen, wurde eine ergänzende dritte Wand gebaut, sodass die Arbeit noch mehr zu einer Umgebungen wird.
Die Arbeit ist veränderlich und zeigt sich prozesshaft, d.h. sie ist unabgeschlossen und offen und kann mitgestaltet werden. Dadurch kann eine andere Resonanz als Grundlage der Auseinandersetzung entstehen. Die Möglichkeit der Interaktion ist ein Angebot der Teilhabe, um eine Situation aktiv mitzugestalten und nicht nur auf sich wirken zu lassen. Zugleich stellt sich immer auch die Frage, wie offen sind die Möglichkeiten der Interaktion, welche Setzungen braucht es für die produktive Mitgestaltung und wann werden Interventionen zu offen und damit beliebig.

MKK

Welche Auswirkungen haben die verschiedenen Stadien auf Die Arbeit?

KH

Die Arbeit ‚Feldern (Farben)‘ ist in einer kontinuierlichen Veränderung. Sie ist abgeschlossen, wenn sie verschwunden ist und alle Blätter von der Wand gezupft sind. Beim Gestalten der Muster, durch das Wegnehmen von einzelnen Farbschichten, müssen die verfügbaren Schichten mitgedacht werden. Jede Veränderung hat damit auch Einfluß auf die (schwindenden) zukünftigen Möglichkeiten.


 

»Mit jeder Etappe löst ein Bild das andere ab, und zugleich verschwindet, Blatt für Blatt, die ganze Arbeit. Am Ende der Ausstellung sind alle Blätter entfernt und die Wände wieder leer.«

Katharina Hinsberg nagelt ihre 7200 Seidenpapierquadrate an die Museumswände, Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt, 2020

Biografie

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*1967, Karlsruhe (DE)
lebt und arbeitet in Neuss (DE)
1990 – 1993 Hochschule für Bildende Künste Dresden
1993 – 1995 Ecole des Beaux Arts Bordeaux

www.katharina-hinsberg.de

Künstler

Impressum



Museum für Konkrete Kunst
Tränktorstraße 6–8
85049 Ingolstadt
Telefon +49 (0)841/305 1875
E-Mail


Redaktion und Edition
Museum für Konkrete Kunst
Stiftung für Konkrete Kunst
und Design

Direktorin
Dr. Simone Schimpf

Kuratorin
Alexandra Liebherr

Grafische Gestaltung und Umsetzung
Mark Julien Hahn

Texte
Marie-Luise Heske
Alexandra Liebherr
Dr. Simone Schimpf
Willi Trenner
Ann-Kathrin Ziganki

Video
bild-schön medienproduktion
Axel Mölkner-Kappl

Ausstellungsansichten
Hubert P. Klotzeck

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr

Eintritt
5 Euro, 3 Euro (ermäßigt)
3 Euro Gruppentarif (ab 10 Personen)

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