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Marco Casentini

Vom öffentlichen Platz bis zur Automobilkarosserie – es scheint, als könne Casentini jeglichen Malgrund als Projektionsfläche für seine typischen, leuchtenden Farben verwenden.

Die Arbeit im MKK zählt zur Werkgruppe der „Wall Painting Installations“, mit denen Marco Casentini sich seit 2003 beschäftigt. In ihnen scheint sich die konventionelle Trennung von Tafelbild und Wandmalerei aufzulösen. Aus den großflächigen geometrischen Farbfeldern, die auf die Wand aufgetragen sind, treten kleinere Arbeiten aus Plexiglas hervor. Sie erweitern die Wandmalerei um eine räumliche Tiefe und durchbrechen die eigenständige Rhythmik des Hintergrunds. Dabei bleiben die einzelnen Elemente wie die Malereien oder die farbige Säule in ihrer Eigenständigkeit sichtbar. Durch die wiederkehrenden geometrischen Formen werden sie verbunden, so lässt sich von dem Kleinen auf das Große schließen und umgekehrt.

Casentini schafft eine energiegeladene Wirkung im Raum, die uns in seine Farbenwelt eintauchen lässt.

Marie-Luise Heske

MKK

Deine Malerei geht über das Tafelbild hinaus. In welchem Verhältnis stehen die einzelnen Elemente in Deiner Installation zueinander?


MC

Wenn mir die Möglichkeit gegeben wird meine Gemälde auf meine Wandmalereien zu hängen, dann scheint es so, als würden die beiden Elemente eine Synergie kreieren. Die beiden Techniken helfen sich gegenseitig, ihre Ausdruckskraft hervorzubringen. Die Gemälde sind nie ausdrücklich für die Wandmalereien gemacht, aber sie finden so ihre ideale Dimension.

Marco Casentini, Maledetta Primavera, 2020

MKK

Wie verändert sich Deine Kunst, wenn sie nicht im Ausstellungsraum, sondern auf Design wie z.B. Autos gezeigt wird?

MC

Meine Kunst scheint auf den ersten Blick, das Resultat langer Studien von Form und Farbe zu sein. Meine Herangehensweise an die Realisierung der Arbeit ist jedoch eher instinktiv, unmittelbar und spontan. Meine Referenzen sind künstlerischer Natur, sie verweisen eher auf Jackson Pollocks Dripping-Technik als auf die Konkrete Kunst. Wenn ich einen Künstler nennen müsste, mit dem ich einen evolutionären/kreativen Prozess teile, dann wäre es wohl Keith Haring. Seine Kreativität ist eng verbunden mit einer Form des künstlerischen Schreibens. Jedes Zeichen, jede Figur ist mit einer anderen verknüpft. Haring hat verschiedene Untergründe für seine Arbeiten gewählt, von Autos über Vasen, hin zu Teppichen, ganzen Museumswänden, Geschäften und vieles mehr. Wie auch Haring liebe ich es, meine Arbeiten auf verschiedenstem Material zu verwirklichen: Autos, Vasen, Wänden, Motorrädern. Für mich gibt es da keinen Unterschied. Es ist nur eine Frage des Untergrunds. Die Karosserie eines Autos ist nicht so verschieden zu Dibond oder Acrylglas. Allein der Gebrauch verändert die Bedeutung. Die Tatsache, dass man ein Kunstwerk im Straßenverkehr sehen kann, ist für mich ein unbezahlbares Vergnügen.

Marco Casentini, Maledetta Primavera, 2020

»Ich glaube, dass wir aktuell energiereiche und kontrastierende visuelle Eindrücke gebrauchen können. „Mind the Gap!“ wird meine erste Post-Pandemie-Ausstellung und ich fände es toll, wenn sich die ganze angestaute Energie der letzten Monate in der Präsentation verkörpert.«

 

Marco Casentini hängt seine Gemälde auf die von ihm gestaltete Wandmalerei.

 

Skizzen für Maledetta Primavera

 

MKK

Was ist die besondere Herausforderung bei einer Arbeit für das Museum für Konkrete Kunst?

MC

Für mich ist es das erste Mal, dass ich eingeladen wurde, an einer Ausstellung wie „Mind the Gap!“ teilzunehmen, in der ausschließlich Künstler gezeigt werden, die mit Installationen arbeiten. Das ist eine große Herausforderung. Alle Künstler sind sehr talentiert und die Besucher*innen tauchen komplett in die nicht zu enden scheinenden Installationen ein. Mein Ziel ist es, eine unvergessliche Erinnerung zu schaffen und keine schwierige Herausforderung für die Besucher*innen.

Biografie

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*1961, La Spezia (IT)
lebt und arbeitet in Mailand (IT)
1980 – 1984 Academia di Belle Arti, Carrara

www.marcocasentini.com
Instagram @marcocasentinistudio

Künstler

Impressum



Museum für Konkrete Kunst
Tränktorstraße 6–8
85049 Ingolstadt
Telefon +49 (0)841/305 1875
E-Mail


Redaktion und Edition
Museum für Konkrete Kunst
Stiftung für Konkrete Kunst
und Design

Direktorin
Dr. Simone Schimpf

Kuratorin
Alexandra Liebherr

Grafische Gestaltung und Umsetzung
Mark Julien Hahn

Texte
Marie-Luise Heske
Alexandra Liebherr
Dr. Simone Schimpf
Willi Trenner
Ann-Kathrin Ziganki

Video
bild-schön medienproduktion
Axel Mölkner-Kappl

Ausstellungsansichten
Hubert P. Klotzeck

Copyright VG Bild-Kunst, Bonn 2020, für die abgebildeten Werke von Annegret Bleisteiner, Katharina Hinsberg, Markus Krug, Jacob Dahlgren, Marleen Sleeuwits, Vanessa Henn, Karim Noureldin

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr

Eintritt
5 Euro, 3 Euro (ermäßigt)
3 Euro Gruppentarif (ab 10 Personen)

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