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Markus Krug

Gleich beim ersten Eintreten ins Museum bemerken wir als wiederkehrende Besucher*innen, dass sich die Atmosphäre verändert hat. Über dem Kopf, zwischen den Ausstellungsräumen des ersten und zweiten Obergeschosses und der gegenüberliegenden langen Wand spannt sich eine Vielzahl an weißen Papierbändern – 336 Stück, um genau zu sein. Nach dem Aufstieg in die erste Etage fällt der Blick zurück und was zuvor wie eine fast geschlossene Decke anmutete, öffnet sich. Es wird deutlich, nach welcher Logik die Papierstreifen angebracht wurden. Die Brüstung ist der formgebende Faktor. Sechs ihrer Segmente im ersten und zweiten Stockwerk sind durch Papierbänder mit der gegenüberliegenden Wand verbunden. Die unterschiedlichen Höhen der Geländerstangen, ebenfalls sechs, bestimmen die Winkel, in denen die Bänder auf die lange Wand treffen.

„Räumliche Wahrnehmung“ ist hier perspektivisch wie physisch zu verstehen. Die Papierbahnen bündeln den Blick und lassen den einstigen Leerraum zum greifbaren Bereich werden. Im Laufe des Museumsbesuchs verändert sich die Perspektive und die Papierarbeit gibt immer wieder neue Aufschlüsse über die Proportionen des Gebäudes. Das Kunstwerk spielt intelligent mit den architektonischen Gegebenheiten der Museumsarchitektur. „WSK-MKK“ von Markus Krug ist damit wohl die Installation, welche den Ausstellungstitel „Mind the Gap!“ am meisten beim Wort nimmt, wenn es aus der „Lücke“ den Ort des Geschehens macht.


Ann-Kathrin Ziganki

MKK

Wie wichtig ist die jeweilige Architektur für Deine Kunst?

MK

Für die Installationen ist sie essentiell, da die Arbeit auf den Raum reagiert und nur ortsspezifisch realisiert wird und eine Transformation in einen anderen Raum unverändert nicht möglich ist.

MKK

Was bedeutet die Farbe Weiß für den architektonischen Aspekt Deiner Arbeit?

MK

Seit der ersten Rauminstallation mit Papierstreifen 2011 ist die Farbe Weiß definiert. Die Entscheidung fußte damals auf der Grundlage, eine Transformation der manuell geschnittenen Karton-Wandobjekte in eine Realisierung in einer Raumsituation zu finden. Eine Entscheidung für eine andere Farbe war für mich nicht konzeptionell begründbar.
Um einzelne, ausgewählte Aspekte eines Raumes hervorzuheben, zu konterkarieren oder mit ihnen zu spielen, ist es nicht notwendig, ein zusätzliches Element »andere Farbe« hinzuzufügen, da die »Farbe Weiß« genug Kraft besitzt, dem Raum entgegenzutreten.

 

»Jede neue Arbeit, ob im Keller, in einer Garage oder im Museum muss die Kraft haben, eine Raumsituation zu beeinflussen, zu verändern oder zu dominieren.«

336 gummierte Papierbänder spannt Markus Krug in der größten „Gap“ des Museums, Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt, 2020

MKK


Was bedeutet es für Dich, wenn Du ein temporäres Kunstwerk für einen speziellen Ort erschaffst, das danach wieder zerstört wird?

MK

Die Konzeption einer »temporären in situ-Installation« bedingt für mich die anschließende Zerstörung. Die Fotodokumtation visualisiert zwar das »Gewesene«, kann das »Raumerlebnis« aber nicht ersetzen, vergleichbar einer einmaligen Performance.

 

Biografie

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*1965, Singen (DE)
lebt und arbeitet in München(DE)
2008 – 2010 Stipendium der bayrischen Staatsregierung
2015 Stipendium der Prinzregent-Luitpold-Stiftung

www.markuskrug.de
Instagram @markuskrug_de

Künstler

Impressum



Museum für Konkrete Kunst
Tränktorstraße 6–8
85049 Ingolstadt
Telefon +49 (0)841/305 1875
E-Mail


Redaktion und Edition
Museum für Konkrete Kunst
Stiftung für Konkrete Kunst
und Design

Direktorin
Dr. Simone Schimpf

Kuratorin
Alexandra Liebherr

Grafische Gestaltung und Umsetzung
Mark Julien Hahn

Texte
Marie-Luise Heske
Alexandra Liebherr
Dr. Simone Schimpf
Willi Trenner
Ann-Kathrin Ziganki

Video
bild-schön medienproduktion
Axel Mölkner-Kappl

Ausstellungsansichten
Hubert P. Klotzeck

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr

Eintritt
5 Euro, 3 Euro (ermäßigt)
3 Euro Gruppentarif (ab 10 Personen)

Wir bedanken uns
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