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Vanessa Henn

Vanessa Henn künstlerisches Augenmerk liegt auf der Beschäftigung mit dem architektonischen Raum. Dabei schenkt sie ihre Aufmerksamkeit vor allem der Schönheit und dem Charakter von oftmals nur auf ihre Funktionalität reduzierten Alltagsobjekten. Geländer, Handläufe und Gitter von Treppenhäusern und Brücken sieht sie als Bindeglied zwischen der Architektur und dem Menschen, der sich in dieser bewegt. Mit minimalen, aber sehr präzisen Eingriffen, schafft sie neue Blicke auf diese vermeintlich vertrauten Objekte.

Das graue Edelstahlgeländer im Museum für Konkrete Kunst ist ein zentrales Element mit hohem Wiedererkennungswert, welches sich durch das gesamte Gebäude zieht. Vanessa Henn hat ein Eckstück des Geländers nachgebaut und lässt es aus einem weißen Würfel in den Raum springen. Das mit einem, aus den 1960er-Jahren typischen, roten PVC-Überzug gekleidete Geländer führt ein Eigenleben. Wie eine Zeichnung im Raum mäandert es durch ihn hindurch. Dadurch entsteht für uns die Möglichkeit, den sonst leeren Museumsraum neu wahrzunehmen. Der in die Bodenöffnung eingesetzte Kubus, ein in der Konkreten Kunst übliches Element, der aus dem Raum fällt, bildet den Endpunkt der Ausstellung und signalisiert den Übergang von bekannten zu neuen Räumen.

Alexandra Liebherr

MKK

Warum konzentrierst Du Dich bei Deiner Arbeit auf das Raumelement Geländer?

VH

Geländer und Handläufe sind tatsächlich die architektonischen Details, die mir beim Betreten eines Gebäudes oftmals als erstes ins Auge fallen. Mich fasziniert dabei die grafische Qualität der Objekte. Ich betrachte sie als lineare Strukturen gleich einer Zeichnung im Raum. Je nach Architektur (ob institutionell oder privat, in zeitgenössischem Design oder eher selbstgemacht) erzählen sie von den Menschen, die sie hergestellt oder entworfen haben. Sie zeichnen Bewegungsmuster im Raum nach. Hier findet der unmittelbare Kontakt von Mensch und Architektur statt.

Vanessa Henn, Innerstes nach Außen, 2020

MKK

Wie sehr brauchst Du den White Cube des Museums als Hintergrund, um Deine Arbeit zu positionieren?

VH

Diese Frage ist interessant, da ich in meiner Arbeit für das MKK tatsächlich auch einen White Cube in das Museum eingebracht habe. Es ist quasi eine Dopplung: ein White Cube im White Cube. Nur, dass hier der eingefügte weiße Würfel als „back drop“ für meine Intervention dient und zudem selbst zum Objekt wird. Er verhüllt das Bestandsgeländer, um es an anderer Stelle zu isolieren und dadurch hervorzuheben. Gleichzeitig verweist der Würfel natürlich auch auf die Konkrete Kunst, die den Schwerpunkt des MKK darstellt.
Das Museum als White Cube gilt etwa seit den 1920er Jahren als ideale Form, um Kunstwerke möglichst neutral zu präsentieren. Das kann ein Vorteil sein, muss aber nicht. Viele meiner meist größeren Arbeiten stehen im öffentlichen Raum, im Stadtraum oder in landschaftlicher Umgebung. Spannender sind eigentlich solche Situationen, in denen es nicht gleich klar ist, ob es sich bei einem gekippten Brüstungselement um Kunst oder um einen Unfall handelt.

Mit Vanessa Henns Installation, wird der White Cube nicht mehr zu Ausstellungsort, sondern zum Kunstobjekt.

»Für die Vorbereitungen habe ich versucht Pläne des MKK-Bestandsgeländers aus den neunziger Jahren aufzutreiben, um es als Fragment genau nachbauen zu lassen.«

Mit dem roten PVC überzieht Vanessa Henn auch das Geländer im Außenbereich.

MKK

Was wäre der ideale Raum, um Deine Kunst zu zeigen?

VH

Natürlich sind weiße Wände und hohe Decken Bedingungen, die sich ein Künstler in der Regel wünscht. Doch oftmals erweisen sich Raumsituationen, die alles andere als ideal sind als die besten oder vielmehr fruchtbarsten: sie schaffen die nötige Reibung, um sich mit einem Ort auseinander zu setzen. Sie zwingen dazu, umzudenken und geben die nötige Inspiration für neue Denkansätze.

Modell der Installation

Biografie

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*1970, Stuttgart (DE)
lebt und arbeitet in Stuttgart (DE)
1992 – 2001 Staatliche Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart
1995 – 1996 Edinburgh College of Art
1999 – 2000 University of Canterbury, Christchurch

www.vanessa-henn.de
Instagram @vanessa_henn_berlin

Künstler

Impressum



Museum für Konkrete Kunst
Tränktorstraße 6–8
85049 Ingolstadt
Telefon +49 (0)841/305 1875
E-Mail


Redaktion und Edition
Museum für Konkrete Kunst
Stiftung für Konkrete Kunst
und Design

Direktorin
Dr. Simone Schimpf

Kuratorin
Alexandra Liebherr

Grafische Gestaltung und Umsetzung
Mark Julien Hahn

Texte
Marie-Luise Heske
Alexandra Liebherr
Dr. Simone Schimpf
Willi Trenner
Ann-Kathrin Ziganki

Video
bild-schön medienproduktion
Axel Mölkner-Kappl

Ausstellungsansichten
Hubert P. Klotzeck

Copyright VG Bild-Kunst, Bonn 2020, für die abgebildeten Werke von Annegret Bleisteiner, Katharina Hinsberg, Markus Krug, Jacob Dahlgren, Marleen Sleeuwits, Vanessa Henn, Karim Noureldin

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr

Eintritt
5 Euro, 3 Euro (ermäßigt)
3 Euro Gruppentarif (ab 10 Personen)

Wir bedanken uns
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